10

Unternehmen

750 +

Angestellte

35

Jahre Erfahrung

10.000 +

zufriedene Patienten

Krankenhausfachabteilung für Psychosomatik der MEDIGREIF Inselklinik Haus Kulm unter Leitung von Chefarzt Dr. Volkmar Sippel

Ich-Zeit, ein schöner Begriff, den Dr. Volkmar Sippel zum Auftakt des Gesprächs erwähnt. Wieder lernen, wie der innere Kompass funktioniert und die äußere Uhr sich nach der inneren Uhr ausrichten kann. Klingt einfach? Ist es jedoch nicht immer. „Die meisten Patienten kommen zumeist in der Lebensmitte zu uns in die Klinik“, berichtet der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut. Aus persönlichen Erfahrungen in der Familie weiß er, wovon er spricht und kennt die körperlichen Signale, die eine Schieflage in der Seele hervorrufen kann.

Dazu können ein erhöhter Blutdruck oder Diabetes bis hin zu Hautkrankheiten gehören. Psychosomatik bedeutet das Wechselspiel zwischen Körper und Seele. Dr. Volkmar Sippel kann zuhören, das Wichtigste in seiner Arbeit, sagt er. Als Facharzt entscheidet er nicht für seine Patienten, sondern empfiehlt ein Umdenken, eine neue Achtsamkeit. Die Krankenhaus-Fachabteilung für Psychosomatik in der MEDIGREIF Inselklinik in Heringsdorf kann bis zu 30 Patienten aufnehmen. „Wir arbeiten mit Krankenkassen zusammen, unsere Patienten sind vorrangig Menschen aus den Berufsbildern Polizei, Bildung oder Justiz“, so Dr. Sippel.

Jeder von uns erlebt das Geschehen in der Welt und hört Nachrichten. Nicht selten wird von Gewalt auch gegenüber Polizisten, Rettungskräften oder Lehrern berichtet, Berufsgruppen, die oft unter emotionalem Stress stehen. An Nachrichten über Gewalt oder Terror mit seinen verschiedensten Gesichtern wollen wir uns nicht gewöhnen.

Arbeitgeber erkennen zunehmend die Bedeutung seelischer Gesundheit ihrer Mitarbeitenden; gleichzeitig sind sich viele Arbeitgeber aber noch nicht ausreichend bewusst, was die zunehmende Digitalisierung für die Umstellung der Arbeitswelt noch bedeuten wird. „Viele Menschen fühlen sich daher von ihrer bisherigen Arbeit entfremdet, da sie Arbeitszusammenhänge und Arbeitsprozesse nicht mehr durchschauen können“.

Die Nachfrage der psychosomatischen Betreuung und Begleitung steigt auch deshalb ständig weiter. Gleichzeitig hilft die Traumatherapie den Menschen, die sich für den Schutz aller einsetzen, Erlebtes zu verarbeiten, und dabei den „eigenen inneren Schutz“ wieder aufzubauen.

Neben Angeboten, die allen Menschen mit psychosomatischen Störungen helfen sollen, hält das MEDIGREIF Inselklinikum daher ein besonderes Programm für Personen vor, die im Rahmen ihres Einsatzes traumatisiert worden sind. „Durch das auf die einzelne Person abgestimmte Behandlungsprogramm“, sagt Dr. Volkmar Sippel, „können aber, trotz der relativ kleinen Größe unserer Abteilung, auch fast alle anderen psychosomatischer Erkrankungen in unserer Klinik gut versorgt werden“.

Stress und seelische Belastungen sind bei vielen psychosomatischen Erkrankungen der Ausgangspunkt, aus dem sich unterschiedliche Formen von psychischen und körperlichen Störungen entwickeln können. Dennoch: Volkmar Sippel hat viele schöne Erlebnisse aus der Arbeit mit den Patienten, die der gebürtige Hamburger nun im dritten Jahr in der Inselklinik begleitet. Er erinnert sich an einen Patienten mittleren Alters, der sich am Ende seines Aufenthals freundlich verabschiedete und sagte, dass er durch die Hilfe des MEDIGREIF Teams entdeckt hat, wer er ist und nun in der Lage ist, die Dinge in seinem beruflichen Umfeld so zu gestalten, dass er nach seinen Vorstellungen leben kann. Das sei jedoch immer eine Teamleistung, betont Dr. Sippel, denn das Gute hier: In der Klinik arbeitet er gemeinsam mit anderen Fachärzten an der Stabilisierung der Patienten. Ärzte und Psychologen arbeiten eng zusammen. Patienten erhalten einen individuellen Behandlungsplan, der wöchentlich angepasst wird.

„Die Klinik passt sich den Bedürfnissen unserer Patienten an, nicht umgekehrt“, darauf legt er Wert. Man merkt, dass Dr. Sippel in seiner Arbeit lebt, sich seit langem mit Stabilität und auch Kreativität beschäftigt. Aus Leidenschaft, denn Volkmar Sippel ist nicht nur Facharzt, sondern auch studierter Theaterregisseur. Was verbindet beide Richtungen – die Medizin und das Theater? Er erklärt es sehr verständlich: Künstler haben auch einen Zugang zu innerem Zauber, genauso wie Patienten. Der Künstler allerdings hätte einen Schlüssel, dort wieder herauszukommen. Patienten hilft er, diesen Schlüssel wiederzufinden. Es ist ein Prozess, zumeist seien die Patienten bis zu 6 Wochen auf der Insel Usedom. Übrigens die sonnenreichste Insel Deutschlands, auch die Umgebung heilt durchaus. Bewegung ist wichtig, bei Wind, Wetter und Sonne. Der Tag besteht aus Gesprächen, oft Einzelgespräche, aber auch ein Austausch in Gruppen findet statt; die eigene Rolle wiederfinden.

Übrigens: eine Theatertherapie hat er etabliert, denn Stimme und Körper im Zusammenspiel sind ein Erlebnis. Die Therapie wird durch die Schauspieler Philipp Caspari und Christian Concilia begleitet. „Die Seele baumeln lassen“, diesen Ausspruch kennt jeder, das ist auch im Rahmen des individuellen Behandlungsplanes ein Muss. Beispielsweise beim QiGong.

Die MEDIGREIF Inselklinik Haus Kulm ist übrigens auch bekannt für gutes Essen, Küchenleiter Peter Hadynski setzt auf regionale, frische Küche, die auch Wünsche berücksichtigt. Gute Ernährung ist wichtig für das Wohlbefinden und einen Prozess zurück zur inneren Stabilität. Denn das ist das Ziel von Dr. Sippel und seinem Team. „Es sind manchmal zu viele Dinge, die an der inneren Stabilität zerren“, sagt er.

Genügen die üblichen Ausgleichsmechanismen wie der Sportverein oder der Spaziergang nicht mehr, dann kann der Körper durchaus reagieren: mit Traurigkeit, mit Schlafmangel, mit Unlust, Kontakte zu suchen und zu pflegen. Berufliche Stresssituationen, persönliche Verluste, andere Ängste oder Erfahrungen, wie sie Betroffene von Anschlägen, wie u. a. auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt, erleben mussten: das sind Gründe für das Scheitern des inneren Kompasses.

Jeder geht mit seinen Problemen anders um. Und es gebe einen Unterschied zwischen Frauen und Männern, beschreibt Dr. Sippel. Frauen öffnen sich eher, reden über Sorgen und Ängste. Männer ziehen sich eher zurück, stellen Kontakte ein. Sind es Warnsignale für das Umfeld? „Ja“, sagt der Facharzt ganz klar. Hilfe suchen sei eine Stärke, keine Schwäche, und er würde sich wünschen, dass dem Thema Psychosomatik ohne Vorurteile begegnet wird.

Die Informationswelt steht heute jedem offen, Aufklärung sei besser als Vorurteile. Dr. Sippel findet es durchaus gut, wenn Patienten sich im Internet über Warnsignale oder depressives Verhalten belesen. „Das bedeutet, dass sich die Patienten mit sich selbst und ihren Empfindungen beschäftigen“, so Volkmar Sippel. Ein erster Schritt.

Jeder kann ICH-Zeit planen. „Einfach mal das Handy ausmachen und nur einmal am Tag Nachrichten schauen“, lächelt der Facharzt.

Und wie sieht seine persönliche Zeit aus? Der perfekt polnisch und dänisch sprechende Facharzt arbeitet an einem neuen Theaterprojekt. „Monolog von der Frau“ von James Joyce.

Warum er sich dieses ausgesucht hat? Das erzählt er zur Premiere im Herbst – in der Villa Irmgard in Heringsdorf.

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