Die GerViet GmbH der MEDIGREIF Unternehmensgruppe in Greifswald vermittelt Arbeitskräfte aus Vietnam an Firmen in Vorpommern. Ein angehender Koch erzählt seine Geschichte.
Für seine Ausbildung kam er von Vietnam nach Vorpommern-Greifswald. Hier möchte er in die Fußstapfen seines Bruders treten und Koch werden. In Deutschland ist für ihn nicht immer alles leicht, wie Van Dung Nguyen erzählt, der sich der Einfachheit halber Toni rufen lässt.
Von Vietnam nach Deutschland
Seine Ausbildung begann der gebürtige Vietnamese, der aus der Provinz Hai Duong in Nordvietnam stammt, im September 2025. „Ich habe auf YouTube viel gesehen. Die ganzen Möglichkeiten in Deutschland, aus denen man wählen kann, und habe mich so dafür entschieden, herzukommen“, erzählt der 23-Jährige.
Nach seiner Ausbildung möchte Toni in Deutschland leben und arbeiten – so sein Plan. Mit seinem Berufswunsch folgt er seinem Bruder nach. „Er arbeitet seit über zehn Jahren als Koch. Vielleicht kommt er ja später auch mal nach Deutschland und wir eröffnen zusammen ein Restaurant“, erzählt der Azubi.
Aus dem Ausland für Vorpommern
Toni ist einer von Tausenden, wie eine Übersicht des Statistischen Amts Mecklenburg-Vorpommern zeigt. Stand Dezember 2025 gingen demnach 8.229 Ausländer im Landkreis Vorpommern-Greifswald einem sozialversicherungspflichtigen Beruf nach. Mit 2.675 sind die meisten von ihnen im Gastgewerbe tätig, wie auch Toni. Es folgen das verarbeitende Gewerbe mit 1.130 Arbeitskräften aus dem Ausland, dicht gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen mit 1.127 ausländischen Angestellten.
Mit Abstand am wenigsten Ausländer sind laut Statistik im Finanz- und Versicherungssektor tätig. Die größte Gruppe der im Landkreis angestellten Ausländer stellen mit 4.711 die Polen dar. Toni wurde hingegen von einem Unternehmen hergebracht, das sich auf vietnamesischen Nachwuchs für den deutschen Arbeitsmarkt spezialisiert hat.
Auf der Suche nach der perfekten Übereinstimmung
„Ich hatte am Anfang erstmal recht viele Probleme, aber meine Kollegen und mein Chef haben mir dabei geholfen. Wenn ich mal etwas nicht verstehe, dann erklären sie es mir geduldig“, schildert Toni seine Zeit nach der Ankunft in Deutschland. Ulf Mauderer kennt die Herausforderungen eines solchen Karriereschrittes nur zu gut.
Mauderer ist Prokurist der MEDIGREIF Parkklinik in Greifswald und Geschäftsführer des Unternehmens MEDIGREIF GerViet, einem relativ jungen Unternehmen der MEDIGREIF Unternehmensgruppe, das sich auf die Vermittlung von vietnamesischen Nachwuchstalenten vorrangig an MEDIGREIF-Unternehmen, aber auch an Dritte und mittlerweile in alle Branchen spezialisiert hat. Dabei sind die Angestellten von GerViet immer auf der Suche nach dem „perfect match“, also der perfekten Übereinstimmung zwischen Mensch, oder „Talent“, wie Mauderer sagt, und Unternehmen, wie der Geschäftsführer erzählt.
Nicht jeder schafft die Ausbildung im anderen Land
„Wir setzen auf Qualität statt auf Quantität. Das erreichen wir insofern, als dass wir durch unseren Büroleiter in unserem eigenen Kontaktbüro in Hanoi genau prüfen lassen, welche jungen Menschen sich bei uns bewerben und wer auch hier vermittelt werden kann“, erklärt Mauderer. Der Fokus läge darauf, jene jungen Talente zu finden, die auch eine reelle Chance auf einen Berufsabschluss in Deutschland haben.
Besonders relevant seien Sprachkenntnisse. Aber auch die Motivation und der Familienhintergrund der Bewerber werden evaluiert, denn auch das Heimweh oder große kulturelle Unterschiede können dem Ausbildungserfolg im Weg stehen, weiß Mauderer. Auch Toni ist dieser Meinung: „Nicht nur mir, sondern auch anderen Ausländern fällt die Theorie in der Schule schwer. Besonders Wirtschaft und Soziales, sowie Englisch sind etwas schwierig“, gibt der Vietnamese zu bedenken.
Hohe Erfolgsquote nach eigener Statistik
Doch der Erfolg scheint dem jungen Unternehmen und seinem Konzept recht zu geben. So konnte in den 2,5 Jahren aktiver Vermittlungsarbeit eine Erfolgsquote von 93 Prozent hergestellt werden, wie aus einer internen Statistik des Unternehmens hervorgeht.
„Das bedeutet, dass die Ausbildung tatsächlich auch beendet wird, beziehungsweise der Kandidat dort bei dem Unternehmen, in dem er arbeitet, verbleibt. Was im Anschluss passiert, ist Entscheidung der Parteien selbst, da sind wir raus“, erklärt Mauderer. Denn ein langfristiges Verbleiben aller Ausgebildeten ist letztlich auch nicht immer im Sinne des Erfinders.
Arbeitskräfte sollen nicht abgeworben werden
„Unser Ziel ist es tatsächlich, jungen Menschen eine solide Berufsausbildung zu geben, und danach entscheiden sie selbst, ob sie in Deutschland bleiben oder in ihr Heimatland zurückkehren“, sagt Prof. Dr. Dietmar Enderlein, Vorstandsmitglied und Gründer von MEDIGREIF. Er wolle im Wesentlichen durch die Ausbildung junger Fachkräfte einen Teil zur deutsch-vietnamesischen Freundschaft beitragen.
Schon zu DDR-Zeiten hat er vietnamesische Militärärzte ausgebildet, während seiner Tätigkeit als Kommandeur der militärmedizinischen Sektion in Greifswald (MMS). Diese befand sich seinerzeit auf demselben Gelände, in der Pappelallee 1, auf welchem sich heute der MEDIGREIF-Komplex befindet. Doch profitiert Vorpommern-Greifswald von jeder ausländischen Fachkraft, die sich zum Bleiben entscheidet.
Wer ersetzt 22.000 Rentner?
Denn in den kommenden zehn bis zwölf Jahren scheiden im Landkreis Vorpommern-Greifswald rund 22.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus, wie sich aus einem Diagramm der Agentur für Arbeit Greifswald entnehmen lässt.
„Um den demografisch bedingten Rückgang vor allem deutscher Beschäftigter abzufedern, gewinnt die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte zunehmend an Bedeutung“, heißt es von einem Sprecher der Agentur für Arbeit Greifswald. Toni setzt indes seine Ausbildung in Greifswald fort und hat neben der Leidenschaft fürs Kochen und Anrichten auch Freude an Bowling und Billard.
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