- Allgemein, Berufsfachschule Greifswald, Grundschule, Inselklinikum "Haus Gothensee", Inselklinikum "Haus Kulm", KiTa Käpt'n Sprechdachs, MEDIGREIF Ayurveda, MEDIGREIF Elternhaus, MEDIGREIF GerViet, MEDIGREIF Parkklinik, MEDIGREIF Pflege-Dienstleistung, MEDIGREIF Seniorenresidenz, MEDIGREIF Wohnpark Pappelallee, Ostseegymnasium, Sportstudio SINUS
- Alle News
- Startseite
Professor Dr. Dietmar Enderlein ist Gründer und Vorstandschef der Unternehmensgruppe, die Rehakliniken und Bildungsstätten in Greifswald und auf Usedom betreibt. Für seine beiden letzten Jahre in vorderster Reihe hat er sich viel vorgenommen.
Fast zehn Hektar groß ist das Gelände der Medigreif GmbH in Greifswald. Herzstück der Anlage sind die Parkklinik, eine der fünf Reha-Einrichtungen des Unternehmens, die Seniorenresidenz und der Bildungscampus mit Berufsfachschule, Gymnasium und Internat. Etliche Arztpraxen sind auch Mieter am Standort. Erbaut wurde das Areal an der Pappelallee vor dem Zweiten Weltkrieg als Lazarett der Luftwaffe. Und heute kennt sich hier niemand so gut aus wie Prof. Dr. Dietmar Enderlein (83). Er war schon der Chef, als am Standort zu DDR-Zeiten die militärmedizinische Sektion an der Universität Greifswald untergebracht war.
Enderlein kaufte die komplette Liegenschaft nach der Wende und schuf dort ein Gesundheitsimperium. Das Büro des Professors befindet sich in einem Außenflügel der Anlage. „Es sollte nur ein Provisorium während eines Umbaus sein. Aber letztlich war es praktisch, hierzubleiben“, sagt der MEDIGREIF-Chef. Ein Gespräch über die Gesundheitsbranche und die nächsten Ziele des Unternehmens mit 600 Mitarbeitern beginnt.
Herr Professor, der Gesundheitssektor steht unter Spardruck. Wie kommt die MEDIGREIF-Gruppe damit zurecht?
Prof. Dr. Dietmar Enderlein: Deutlich besser, als man vielleicht erwartet. Unsere Bilanzen sind hervorragend.
Wie schaffen Sie das in der aktuellen Situation – trotz Sparmaßnahmen der Krankenkassen oder allgemein steigender Personal- und Betriebskosten?
Indem wir gut wirtschaften. Wir haben keinen Sanierungsstau, sind im Gesundheits- und auch im Bildungssektor breit aufgestellt. In unseren Rehakliniken stellen wir modernste Technik bereit. Wir haben auch keine Probleme mit Fachkräften, weil wir sie selbst ausbilden.
In Ihrer Berufsfachschule…
…die wir jetzt noch vergrößern. Es entsteht ein Erweiterungsbau für 4,5 Millionen Euro, der uns erlaubt, in der Nachwuchsentwicklung weiter zu wachsen. Wir können damit künftig zum Beispiel noch mehr Physio- und Ergotherapeuten ausbilden. Schon jetzt haben wir 1100 Schüler, die in mittleren medizinischen Berufen ausgebildet werden. Das ist ein großes Reservoir für uns, um Stellen zu besetzen.
Auch in Spitzenpositionen konnten Sie in jüngerer Vergangenheit spektakuläre Neuzugänge verpflichten.
Ja, wir sind sehr froh, dass wir zum Beispiel Dr. Stefan Rudolph (ehemaliger Staatssekretär im Wirtschaftsministerium) gewinnen konnten, der sich um das Management unserer drei Rehakliniken in Heringsdorf auf Usedom kümmert. Mit Prof. Peter Hinz haben wir einen Spitzenchirurgen von der Uni-Medizin für unsere Greifswalder Klinik bekommen. Es ist mir sehr wichtig, an Schlüsselpositionen gute Leute zu haben, zumal ich nicht mehr ewig als Vorstandsvorsitzender arbeiten werde,
Wie lange wollen Sie es machen?
Bis ich 85 bin. Für diese zwei Jahre habe ich mir drei große Ziele vorgenommen.
Welche?
Neben dem Neubau für unsere Berufsschule in Greifswald ist das vor allem die Eröffnung unseres Ayurveda-Hotels in Bansin im Spätherbst, wo Gäste ihre Selbstheilungskräfte aktivieren werden. Ein drittes Vorhaben, das ich noch umsetzen möchte, ist der Aufbau einer Verbundbehandlung, für die wir Angebote aus zwei Kliniken zusammenführen.
Worum geht es bei dem Projekt?
Wir möchten eine Struktur aufbauen, in der wir uns um die Therapie von psychosomatischen Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen in Familien kümmern.
Planen Sie dafür auch einen Neubau?
Nein, wir möchten das innerhalb einer unserer drei Rehakliniken auf Usedom organisieren, indem wir dort eine neue Einheit, organisatorisch fast wie eine neue Klinik, schaffen. Psychosomatische Erkrankungen sind ein Problem unserer Zeit, da viele Menschen nicht mehr zur Ruhe kommen.
Was ist mit Ihren Plänen geworden für einen großen Wohn- und Gesundheitspark in Heringsdorf, den die Gemeinde nach langem Anlauf ablehnte?
Das ist für mich durch. Ich weiß bis heute nicht, warum sie sich dagegen entschieden haben. Heringsdorf und die ganze Insel hätten nur Vorteile gehabt, von dem Ärztehaus und den vielen Wohnungen, die entstanden wären. Noch läuft meine Schadensersatzklage vor dem Oberverwaltungsgericht über 1,2 Millionen Euro, da wir bereits viel investiert hatten. Das Gelände gehört immer noch uns. Vielleicht werden wir einen Teil davon zum Parkplatz machen – und dann weitersehen.
Sie sind als konsequent bekannt. Zum Beispiel gilt an jedem MEDIGREIF-Standort Rauch und Alkoholverbot. Wer das nicht beachtet, fliegt raus. Warum diese Regel?
Weil das für mich große Geißeln der Menschheit sind. Krankheiten, die damit in Zusammenhang stehen, kosten das Gesundheitssystem Milliarden. Rauchen wird aber nicht verboten, weil es dem Staat auch Milliarden an Steuereinnahmen bringt.
Wenn Sie nun konkret das Ende Ihrer Berufslaufbahn benennen, wie denken Sie dann heute über die Anfänge?
Sie waren kurios. Vor allem der Start für MEDIGREIF nach der Wende. Da ich das Ende der DDR und der militärmedizinischen Sektion kommen sah, habe ich früh überlegt, was aus dem Standort werden könnte, und meine Privatisierungspläne entwickelt.
Ich bin dann in den Tagen nach der Deutschen Einheit persönlich zum damaligen Finanzminister Theo Waigel nach Bonn gefahren, um ein Kaufangebot für das Gelände zu machen. Der Bund wollte zunächst 30 Millionen D-Mark – was für mich unmöglich war -, dann 15 Millionen D-Mark. Bei der dritten Schätzung von elf Millionen D-Mark habe ich mit pochendem Herzen zugegriffen, einen Kredit aufgenommen – und die Erfolgsgeschichte begann.
Berufsbeginn als Tischler
Prof. Dr. Dietmar Enderlein (83) zählt zu den prägenden Unternehmerpersönlichkeiten in MV. Nach einer Tischlerlehre und dem Abitur studierte der gebürtige Plauener Medizin an der militärmedizinischen Sektion der Uni Greifswald. Er promovierte, wurde Facharzt für Sozial- und Arbeitsmedizin und stieg bis zum Kommandeur der Sektion sowie zum Oberst der NVA auf. Nach der politischen Wende gründete Enderlein am 15. März 1990 gemeinsam mit Mitstreitern die MEDIGREIF GmbH und entwickelte sie zu einer der größten privaten Gesundheitsgruppen in Ostdeutschland. Für sein unternehmerisches Lebenswerk erhielt Enderlein etliche Auszeichnungen. Bis 2010 besaß er auch mehrere Akut-Kliniken in Sachsen-Anhalt. Auch nach 36 Jahren steht er an der Spitze der MEDIGREIF-Unternehmensgruppe, noch zwei Jahre möchte er in dieser Position gestalten.
Mehr über…
Beitrag teilen
Weitere Eindrücke