Am 12 und 13. Mai 2025 fand in Rostock Warnemünde die Netzwerkkonferenz 2025 der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in enger Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg- Vorpommern (VU MV) statt.
Im Rahmen dieser Netzwerkkonferenz, die jährlich in einem anderen Bundesland stattfindet, hatten wir als MERDIGREIF Unternehmensgruppe die Chance, uns zu präsentieren, über unsere Leistungen und Stärken zu berichten und so auf uns neugierig zu machen.
Zum ersten Mal kam auch unser neuer Messestand zum Einsatz und bewährte sich ausgezeichnet. Unser tolles Haustechnikerteam vom Inselklinikum hat alles professionell transportiert und aufgebaut. Alles hat super geklappt. Höhepunkte waren einerseits der gemeinsame Gedankenaustausch zwischen Professor Dr. Dietmar Enderlein, Frau Katja Enderlein und Dr. Stefan Rudolph mit der Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Frau Gundula Roßbach. Nicht nur, dass man sich sofort menschlich gut verstand, auch die Übereinstimmung in der Bewertung der vor uns liegenden Herausforderungen hat gutgetan.
Auch die Themen Effizienz des ärztlichen Bereitschaftsdienstes und die ab 2026 im neuen Finanzierungsmodell zum Tragen kommenden einrichtungsspezifischen Komponenten waren Teil der Gespräche. Wir werden versuchen, in Berlin gemeinsam mit Frau Präsidentin Roßbach und Frau Direktorin Gross den Gedankenaustausch fortzuführen. Am zweiten Konferenztag konnte unsere Unternehmensgruppe eine Podiumsdiskussion gemeinsam und aktiv mitgestalten. Hierbei ging es um die Frage: Wie füllen wir die Finanzlöcher in der Sozialversicherung? Wie finanzieren wir Rente, Gesundheit und Pflege in der Zukunft?
Schnell konnte deutlich gemacht werden, dass wir zwar dort arbeiten, wo andere Urlaub machen, unsere Aufgaben jedoch gleich anspruchsvoll bleiben und ein sonniger Strand nicht darüber hinwegtäuschen kann, zumal wir Teil einer Gästeregion sind, mit all` den Vorzügen und zugleich auch all` den Nachteilen einer solchen Destination. Ostseelage bedeutet zum Beispiel auch immer Randlage, und da beginnen auch schon die Herausforderungen bei unserer Personalgewinnung.
Wir konnten erläutern, warum wir eine Reform unseres Gesundheitswesens brauchen. Unser Gesundheitswesen kann sich in ärztlicher Kunst und Professionalität des medizinischen und pflegerischen Personals weltweit messen. Täglich werden Höchstleistungen erbracht. Die Qualität der Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nicht unser Problem.
Unser Problem sind die ineffizienten Strukturen im Gesundheitswesen. Das sind die wahren Kostentreiber, die zur Ineffizienz des Systems führen. Das deutsche Gesundheitswesen ist das zweitteuerste weltweit, nach den USA. Aber wie gesund sind die Deutschen?
Die WHO misst regelmäßig die sogenannte Volksgesundheit. Und da finden wir Deutschland eben nicht auf dem zweiten Platz, sondern weltweit auf Platz 30. Dabei werden die einzelnen Leistungen in Deutschland oft geringer vergütet als in anderen Ländern.
„Das deutsche Gesundheitswesen ist das zweitteuerste weltweit, nach den USA.“
Dr. Stefan Rudolph
In die Greifswalder Parkklinik von Inhaberin Katja Enderlein kommen Patienten von ihren frischen Hüftoperationen zur orthopädischen Rehabilitation. Die Krankenhäuser selbst bekommen für die Hüftoperation in Tschechien ca. 14.000 Euro, in Italien 24.000 Euro und in Deutschland ca. 7.000 Euro. Oftmals sind in Deutschland eben nicht die Leistungen zu hoch vergütet, sondern die Strukturen und die ineffizienten Verfahren verschlingen Milliarden.
Ein Beispiel: Der Hüftpatient in Deutschland wird, bevor er zur Reha kommt, drei Mal umfänglich zur gleichen Hüfte diagnostiziert: Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus. Da sind Kostentreiber kaum unübersehbar.
Auch sollten wir realistisch sein, ein in MV oder in NRW geschlossenes Krankenhaus bedeutet nicht unweigerlich ein Mehr an Personal an der Ostseeküste. Dazu bedarf es eines viel größeren Maßnahmenkataloges als das Prinzip Hoffnung.
Und zum Gesamtpaket gehört auch: Wenn Entfernungen zu medizinischen Angeboten weiterwachsen, müssen die Strukturen der Notfall- und Rettungsdienste sowie die Angebote von Krankentransporten parallel mitgedacht und reformiert werden.
Umfassend wäre die Reform u. a. dann, wenn auch die Leistungen der Rehabilitation im Zyklus von der Nichtarbeitsfähigkeit des Patienten bis zu seiner Arbeitsfähigkeit mitbetrachtet werden würden und dabei die Schlechterstellung der Rehabilitation in diesem „Wiederherstellungszyklus der Arbeitskraft“ gegenüber der Krankenhausfinanzierung überwunden werden könnte.
Denn Rehabilitationskliniken müssen, anders als Krankenhäuser, ihre Investitionen umfassend selbst stemmen, obgleich sie Teil des Wiederherstellungszyklus von Arbeitskraft sind. Wir bekommen Tagessätze je Behandlungstag für die erbrachten Leistungen. Daraus müssen wir alles finanzieren: Personal, Geräte, Medienkosten, Verpflegung, Therapie und eben auch den weit überbordenden Teil unserer Investitionen.
Das ist das Gegenteil zur Investitionsförderung durch Dritte bei den Krankenhäusern, zu dessen unmittelbaren Partnern wir gehören. Und auch strukturell fehlt es an einer klaren gesetzlichen Regelung, zum Beispiel ob die Zuständigkeit für die Kinderrehabilitation bei den gesetzlichen Krankenkassen oder der Deutschen Rentenversicherung liegt. Bei unseren Herausforderungen benötigen wir weniger Lösungen aus einem Katalog als mehr bilaterale, individuelle Lösungen zwischen Rehaklinik und federführenden Zuweisern. So hätten wir die Chance, auf die realen Bedingungen vor Ort besser zu reagieren, bei gleicher oder besserer Qualität und oftmals geringeren Kosten. Das betrifft zum Beispiel die Organisation von ärztlichen Bereitschaftsdiensten und die Anerkennung von Leistungen der Ärztinnen und Ärzte mit Berufserlaubnis.
Hier sollten Klinikum und Federführer gemeinsam den Mut aufbringen, die bestehenden Standards bei der Organisation von ärztlichen Bereitschaftsdiensten in einem bilateralen Modellversuch, auf der Grundlage des kommunalen Standarderprobungsgesetzes Mecklenburg- Vorpommern, zu skalieren, um gemeinsam zu einer tragfähigen, wirtschaftlichen und nachhaltigen Lösung zu kommen.
„Wir arbeiten nach dem Prinzip: Prävention vor Reha vor Rente.“
Dr. Stefan Rudolph
Wir arbeiten nach dem Prinzip: Prävention vor Reha vor Rente. Wenn notwendige medizinische Rehabilitationen weiter erfolgreich sind, dann sinken auch vorzeitige Rentenzahlungen. Die Sozialsysteme werden weniger belastet und durch länger anhaltende Einzahlungen stabilisiert.
Schauen wir dabei gern auch auf den konkreten Bereich unseres MEDIGREIF Inselklinikums, auf Übergewicht und Adipositas bei Kindern. Hinsichtlich der Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern im Einschulungsalter steht Mecklenburg-Vorpommern mit an der Spitze der deutschen Bundesländer. In einer aktuellen Mitteilung des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern aus 2024 wurde berichtet, dass bei den Schuleingangsuntersuchungen 2021/2022 13% der Kinder übergewichtig und 6,4% sogar adipös waren. Somit ist in MV jedes fünfte einzuschulende Kind von Übergewicht oder Adipositas betroffen.
Eine Analyse des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie an der Universität Greifswald hat berechnet, dass mit jedem adipösen Mann Zusatzkosten in Höhe von 166.911,00 € und für jede adipöse Frau 206.525,00 €, bezogen auf die Lebenserwartung, entstehen.
Es ergeben sich somit aus der Problematik: Übergewicht und Adipositas einerseits erhebliche gesundheitliche Folgen für die Betroffenen und andererseits erhebliche sozioökonomische Herausforderungen für die Zivilgesellschaft und die Belastungen der Sozialsysteme. Erfolgreiche Rehabilitation, die übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche zu einem gesunden Lebensstil mit nachhaltiger Gewichtsreduktion und Stabilisierung anregt, kann langfristig gesundheitliche Folgen in erheblichem Maße mindern und die Sozialsysteme entlasten.
Die medizinische Rehabilitation könnte besser Krankenhäuser entlasten, würden auch wir ein Kontingent an Behandlungsbetten aus dem Landeskrankenhausplan vorhalten können, um einerseits bei Bedarf Patienten mit vor Ort diagnostizierten Neubefunden, z.B. Geriatrie-Neubefund, Harnwegserkrankung oder Psychosomatose-Neubefund über Psychosomatose hinausgehend, im Klinikum weiter therapieren zu können, wodurch eine belastende Patientenverlegung vermeidbar wäre, und andererseits Patienten in die Rehabilitation aufnehmen zu können, die uns aus den Krankenhäusern verfrüht erreichen.
Bei allen laufendenden und kommenden Reformen sollte die Rehabilitation stets mitgedacht werden, um ihrem Beitrag zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten und zur Entlastung der Sozialsysteme anerkennend gerecht zu werden.
„Es gilt die Formel: Mehr medizinische Rehabilitation gleich größere Entlastung der Sozialsysteme.“
Dr. Stefan Rudolph
Je mehr Beschäftigte anhaltend im ersten Arbeitsmarkt verbleiben desto höhere finanzielle Entlastung der Sozialsysteme, gleichermaßen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. So geht Zukunft!
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